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Sag's mit 'nem Smiley!

Der World Emoji Day feiert die neue Vielfalt in den Bildschriftzeichen

Am 17. Juli ist World Emoji-Day – Zeit, einmal mit der Diversity-Brille auf die scheinbar universelle Sprache des digitalen Zeitalters zu blicken. Denn egal ob T-Rex, Superheld*in mit Umhang, knallroter Kussmund oder Smiley mit Lachtränen in den Augen - Emojis tauchen in der Online-Kommunikation mittlerweile in fast jedem zweiten Satz auf und prägen die Art, wie wir uns anderen mitteilen.

Im Gegensatz zu klassischer Schriftsprache liefern Emojis unkompliziert Kontext und Zusatzinformationen ohne viele Worte. So wird mit einem einzigen Smiley eine Nachricht zum Scherz statt zur Drohung oder die Glitzerfee macht deutlich, dass gerade von einem Wunschtraum die Rede ist. Gleichzeitig transportieren Emojis Emotionen, die man sonst vielleicht eher zögerlich in Worte fassen würde. Schließlich vermittelt ein weinendes Gesicht neben einem Paar-Emoji auch ohne große Worte: „Ich vermisse Dich“.

Emojis werden vermutlich auch deswegen so gerne verwendet, weil sie relativ allgemeinverständlich sind. Daher verfolgte ihr Entwickler, der Japaner Shigetaka Kurita, schon 1999 die ehrgeizige Vision, mit Emojis eine universelle Sprache für die digitalisierte Welt zu schaffen. Doch obwohl aus den ursprünglich 179 Symbolen inzwischen mehrere Tausend geworden sind und ständig neue hinzukommen, sind Emojis weit davon entfernt, tatsächlich als globale Sprache zu funktionieren.

Jeder Mensch interpretiert die Bildchen individuell etwas anders, weshalb ohne schriftlichen Kontext die Gefahr von Missverständnissen hoch ist. Und kommen dazu verschiedene kulturelle Hintergründe ins Spiel, wird es schnell noch komplexer als in der analogen interkulturellen Kommunikation. Dass dann alle Beteiligten die Botschaft gleich verstehen, ist nicht mehr gewährleistet. Denn während beispielsweise die „Daumen hoch“-Geste in Deutschland positiv konnotiert ist und „gut gemacht“ oder „alles okay“ bedeutet, ist sie im Mittleren Osten, Australien und weiteren Regionen eine durchaus obszöne Beleidigung – egal, ob analog mit der eigenen Hand gezeigt oder digital per Emoji.

Vor allem dort, wo die Kommunikation viel stärker zwischen den Zeilen stattfindet, beispielsweise in asiatischen Kulturkreisen, braucht es auch in der digitalen Welt ein mindestens ebenso feines interkulturelles Gespür wie im Analogen. Ein Smiley in China bedeutet nur oberflächlich betrachtet „fröhlich“ oder „freundlich“. Stattdessen kann sich dahinter auch eine eher verhaltene, spöttische, und sogar angewiderte Haltung verbergen. „Wenn man das Smiley-Gesicht genau anschaut, fällt einem auf, dass sich die Muskeln um die Augen während des Lächelns gar nicht bewegen und die Muskeln um den Mund sehr steif sind. Das sind Zeichen für ein gezwungenes Lächeln.“ erklärt ein chinesischer Internetnutzer auf Zhihu.com, einem chinesischen Frage-Antwort-Portal. Die bessere Alternative, um ein glückliches Gefühl auszudrücken: das lachende Gesicht mit offenem Mund oder lächelnden Augen, denn deutlichere Muskelbewegungen machen das Lächeln ehrlicher.

Eine Nachricht, die mit dem winkenden Emoji abschließt, kann unter Chines*innen einerseits als simples „Tschüss“ gemeint sein, andererseits aber auch als „Ich verachte dich und möchte nicht mit dir reden. Bitte verschwinde!". Dann sollte man vielleicht eher das Thema wechseln oder besser noch den Mund halten. Will man jedoch kontern, schickt man einfach zwei Smileys mit winkenden Händen zurück. Allerdings sind noch viele weitere Bedeutungsschattierungen denkbar. Von einem – vielleicht auch ironisch gefärbten - „Ich will dich nicht mehr sehen " oder „Unsere Freundschaft endet" über ein „Ich habe dir nichts mehr zu sagen" bis zu „Genieß deinen Mitternachtsimbiss, ich wünsche dir einen dicken Bauch" ist vieles möglich.

Dann wäre wohl das 2017 neu eingeführte Teigtaschen-Emoji die Antwort der Wahl – bei Apple-Geräten beispielsweise zu finden als Dumpling. Einige Jahre zuvor hatten zwei chinesische Amerikaner eine Kampagne gestartet, die einem der weltweit beliebtesten Gerichte ein eigenes Emoji widmen sollte. Das Unicode-Konsortium prüfte den Vorschlag und nahm den leckeren Snack ins "Emoji-Alphabet" auf.

Im Unicode-Konsortium sind Entwickler*innen, Kreative und die großen Tech-Konzerne der Welt vertreten – von Google über Apple bis Facebook. Jährlich berät es, welche Emojis von einer Mehrheit gewünscht sein könnten und deswegen in die Kataloge aufgenommen werden sollten. Vorschläge beim Konsortium einreichen können alle, die sich eine größere Vielfalt bei den Emojis wünschen. Allerdings braucht es gute Argumente, um das Who is Who der Tech Branche zu überzeugen. Erfolgreich war damit beispielsweise Rayouf Alhumedhi, eine Berlinerin, die sich mit dem Hijab-Emoji-Projekt dafür eingesetzt hatte, dass sich nun auch Millionen von Kopftuchträgerinnen beim Chatten repräsentiert fühlen.

In den bisherigen Emoji-Katalogen war eher wenig Vielfalt zu finden. Erst in den letzten Jahren hielt die Diversität der Gesellschaft langsam Einzug auch in die digitale Welt: die Basketballspielerin, die Surferin, die Detektivin, der alleinerziehende Papa mit zwei Kindern, gleichgeschlechtliche Paare, die Person im Rollstuhl, die Gewichtheberin, die Polizistin und alle jeweils mit unterschiedlichen Haut- und Haarfarben stehen noch nicht lange zur Auswahl. Selbst die Regenbogenflagge wurde erst 2016 eingeführt! Und es scheint, dass sich immer noch nicht alle im Emoji-Alphabet wiederfinden: Aktuell lanciert beispielsweise Tinder unter #representlove eine Online-Petition für ein Emoji für interkulturelle Paare. Emojis machen die digitale Kommunikation also in jedem Fall bunter – und das ist ja definitiv gut so!

Dass der World Emoji Day übrigens ausgerechnet auf den 17. Juli fällt, ist übrigens kein Zufall. Der 17. Juli ist nämlich bei vielen Anbietern das Datum, das das Kalender-Emoji zeigt. Happy World Emoji Day also!


Quellen bzw. mehr dazu unter:

https://www.theguardian.com/technology/2014/aug/31/emoji-became-first-global-language
https://www.unicode.org/emoji/charts-11.0/full-emoji-modifiers.html
https://worldemojiday.com/
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/emojis-warum-die-symbole-ein-gesellschaftlicher-fortschritt-sind-a-1185165.html
https://www.vogue.de/lifestyle/artikel/emojis-fuer-interkulturelle-paare
http://german.china.org.cn/txt/2016-02/03/content_37725047.htm
http://german.beijingreview.com.cn/Kultur/201512/t20151224_800045262.html
https://emojipedia.org/dumpling/
http://www.bento.de/gadgets/emojis-2018-diese-bildschriftzeichen-hast-du-bald-auf-deinem-smartphone-2469685/
http://www.bento.de/politik/kopftuch-emoji-time-magazine-waehlt-wiener-schuelerin-zu-den-30-einflussreichsten-teenagern-1848421/
http://www.bento.de/gadgets/apple-update-fuer-ios-neue-frauen-emojis-und-die-regenbogenflagge-753215/