Wie schließt man so ein Jahr ab?
Unsere "Jahresendgedanken"

Liebe Wegbegleiter*innen,
in der Weihnachtszeit kommt das Licht in die Dunkelheit und die Wärme von Kerzenschein und Feuerstellen bringt wohlige Entspannung, selbst wenn es kalt und unwirtlich ist. Nach dem Trubel und der Geselligkeit legt sich oft Stille über die Tage. Es ist Zeit zum Zurückblicken, zum Verarbeiten all dessen, was das Jahr gebracht hat - bis sich der Raum öffnet für das Neue, das kommen darf. In diesem Raum wächst wieder neue Hoffnung: Ein Start bei Null mit der Zuversicht, dass alles (noch viel) besser wird.
Was aber, wenn eigentlich klar ist, dass vieles erst einmal so bleiben wird, und es keinen Neustart geben wird, bei wieder dem alle Möglichkeiten offenstehen? Wenn uns eine bittere Realität in die Schranken weist und gar nicht klar ist, ob nicht alles sogar noch schlimmer wird?
Das vergangene Jahr war für alle, die an den Wert von Vielfalt glauben, vermutlich das bitterste seit Jahrzehnten. Die Fortschritte waren nie besonders groß, aber die Erschütterung auch hierzulande durch die Anti-DEI-Executive Orders in den USA hat bei uns – und vermutlich bei vielen anderen – die Illusion zerstört, dass „die gute Seite der Macht“ am Ende immer gewinnt. Vielleicht tut sie das irgendwann, wenn man etwas weiter herauszoomt und die aktuelle Entwicklung nur als einen kleinen „Dip“, eine Delle in einer am Ende doch positiven Entwicklung sieht. Aber momentan ist das nicht so leicht zu glauben.
Was macht man also mit so einem Jahr, an der Schwelle zum Aufbruch ins nächste? Das haben wir uns für diesen „Jahresendgedanken“ gefragt.
Sollten wir eiskalt der Realität ins Auge blicken und einfach davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Besserung erst einmal gering ist? Wohl wissend, dass auch bei uns der Gegenwind im Zweifel noch rauer wird? Aber nimmt uns das nicht die Energie und den Elan, weiter für unsere Werte zu kämpfen?
Sollten wir stattdessen besser auf die Zuversicht fokussieren und uns von dem Glauben treiben lassen, dass es schlimmer schon nicht werden wird und es irgendwie weitergeht – schließlich haben sich selbst in diesem Jahr nicht alle Befürchtungen bewahrheitet? Wie gut sind wir dann aber vorbereitet und nicht wieder überrumpelt, wenn es doch anders kommt?
Oder sollten wir selbst das, was war, dankbar annehmen – nicht, weil es gut war, sondern weil auch ein Lernen stattgefunden hat und wir am Ende alle aus diesem harten Jahr vielleicht sogar stärker und erkenntnisreicher hervorgehen?
Ein guter Weg ist vermutlich eine Mischung: Aus dem Anerkennen der brutalen und hässlichen Realität, der sich das Thema Diversity derzeit stellen muss, aus dem aber dennoch unerschütterlichen Glauben, dass sich das Gute und Menschliche durchsetzen wird, und sogar einer echten Freude und Dankbarkeit darüber, aus unserer Komfortzone herausgeschubst worden zu sein und das, was wir tun, kritisch zu hinterfragen und es am Ende sogar noch besser und wirksamer zu machen.
So fühlt es sich zumindest nach einem versöhnlichen und stärkenden Abschluss an.
Herzlichen Dank an alle, die in diesem Jahr an unserer Seite waren, die Enttäuschung geteilt und die Hoffnung aufrechterhalten haben. Wir wünschen euch friedvolle Wintertage und ein besinnliches Weihnachtsfest für alle, die es feiern - gemeinsam mit lieben Menschen und mit vielen unvergesslichen Momenten. Wir hoffen, auch ihr könnt mit diesem Jahr euren Frieden schließen und das neue furchtlos annehmen. Möge 2026 daher neue Stärke bringen, genauso wie Gesundheit, Zufriedenheit und Freude.
Kathrin S. Trump, Ulrich F. Schübel
und das Team des Instituts für Diversity Management